Knochenleitungsimplantate: Unterschied zwischen den Versionen

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# Knochenleitungsimplantat


{{Infobox Gerät
'''Knochenleitungsimplantate''' (bone-anchored hearing implants),  sind implantierbare Hörsysteme, die Schallsignale über mechanische Vibrationen direkt an das Innenohr leiten. Sie finden Anwendung bei Personen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, kombinierter Schwerhörigkeit oder einseitiger Taubheit.<ref name="quelle1"/>
| name = Knochenleitungsimplantat
| bild = Knochenleitungsimplantat.JPG
| bild_beschreibung = Implantierte Titanschraube zur Befestigung eines Knochenleitungs-(BAHA-)Verstärkers. (Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA).
}}


'''Knochenleitungsimplantate''' (auch: knochenverankerte Hörsysteme, engl. ''bone conduction implants'' bzw. ''bone-anchored hearing systems'') sind implantierbare Hörsysteme, die Schall über mechanische Vibrationen direkt an das Innenohr übertragen. Sie sind für Menschen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, kombinierter Schwerhörigkeit oder einseitiger Taubheit geeignet.[1][2][3][4][5] Sie lassen sich grob in perkutane Systeme (mit Hautdurchbruch/Abutment), passive transkutane Systeme (magnetisch über die Haut) und aktive transkutane Systeme (Implantat mit Schwinger) einteilen.
[[Datei:HearWithBaha.jpg|mini|250px|Beispiel eines perkutanen Knochenleitungsimplantats (BAHA-System)<br><small>Bild: Cochlear</small>|alt=Abgebildet ist ein Beispielbild eines perkutanen Knochenleitungsimplantats (BAHA) von Cochlear. Dabei sind der innere Teil dargestellt, der das System und den Einbau visualisiert]]


== Einsatzgebiete und medizinische Indikationen ==
== Medizinische Indikationen ==
Knochenleitungsimplantate kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn das Außen- oder Mittelohr beeinträchtigt ist, das Innenohr jedoch funktionstüchtig ist.[2][3][4][1] Typische Indikationen:
Knochenleitungsimplantate kommen zum Einsatz, wenn das Außen- oder Mittelohr nicht korrekt funktioniert, das Innenohr jedoch intakt ist.<ref name="quelle2"/>
* Schallleitungs- oder kombinierter Hörverlust (Außen- oder Mittelohr betroffen, Cochlea intakt)[3][4][1]
* Einseitige Taubheit, bei der das andere Ohr normal hört (z. B. nach Hörsturz oder Ohr-Operation)[4][5][1]
* Angeborene Fehlbildungen (z. B. Atresie), chronische Otitis media, Gehörgangsekzeme oder Verletzungen[10][3][4] 
* Unverträglichkeit oder Ineffektivität konventioneller Hörgeräte[2][3] 


Weitere Voraussetzungen sind: ausreichende Knochenqualität, keine aktive Infektion im Operationsgebiet sowie ein Alter, das eine stabile Osseointegration erlaubt. Nationale Leitlinien (z. B. NHS-Spezifikationen) definieren audiometrische Kriterien.[5]
Zu den Hauptindikationen<ref name="quelle6"/> zählen:
* Schallleitungs- oder kombinierte Schwerhörigkeit (Außen- oder Mittelohr betroffen, Cochlea intakt)
*  [[Einseitige Taubheit]], etwa nach Hörsturz oder Operation
* Chronisch-rezidivierende Mittelohrentzündungen
* Gehörgangserkrankungen, z. B. Ekzeme oder Fehlbildungen, die konventionelle Hörgeräte ausschließen
* Unverträglichkeit oder mangelnde Wirksamkeit herkömmlicher Hörgeräte
 
Voraussetzungen sind eine ausreichende Knochenqualität, keine aktive Infektion im Operationsgebiet sowie ein Alter, das eine stabile Osseointegration ''(festes Einwachsen eines Implantats in den Knochen)'' erlaubt. Jedoch kann das Knochenleitungsimplantat auch trotzdem eine Lösung für Menschen mit chronischen Ohrentzündungen sein.<ref name="quelle3"/>


== Funktionsweise ==
== Funktionsweise ==
Ein Knochenleitungsimplantat besteht aus einem äußeren Audioprozessor und einem im Schädelknochen fixierten Implantat.
Knochenleitungsimplantate übertragen Schall nicht über den natürlichen Weg durch Außen- und Mittelohr, sondern direkt als mechanische Vibrationen an die Cochlea. Dazu besteht das System aus einem externen [[Soundprozessor]] (auch Audioprozessor oder Sprachprozessor genannt) und einer im Schädelknochen verankerten Implantatkomponente. Der [[Soundprozessor]] nimmt Schall auf, wandelt ihn in elektrische Signale um und überträgt diese an das Implantat. Dort werden die Signale in Vibrationen umgesetzt, die über den Knochen an das Innenohr gelangen. Dadurch können geschädigte Strukturen des Außen- oder Mittelohrs umgangen werden.<ref name="quelle3"/>
* Der Prozessor nimmt Schall auf und wandelt diesen in elektrische Signale um
* Die Signale werden je nach System direkt mechanisch (perkutan), magnetisch (passiv-transkutan) oder induktiv (aktiv-transkutan) an das Implantat übertragen.
* Das Implantat erzeugt Vibrationen, die über den Knochen zur Cochlea geleitet werden, wodurch Außen- und Mittelohr umgangen werden.[8][1][3][4][2] 


**Systemarten:*
Diese direkte Übertragung bringt mehrere praktische Vorteile:
* '''Perkutan (Abutment, z. B. BAHA, Ponto):''' Titanimplantat mit Hautdurchführung, sehr effiziente Übertragung, aber Hautkomplikationen möglich.[3][5] 
*Der Gehörgang bleibt offen, was insbesondere bei chronischen Entzündungen oder anatomischen Besonderheiten hilfreich ist<ref name="quelle3"/>
* '''Passiv transkutan (magnetisch, z. B. Sophono, Baha Attract):''' Haut bleibt geschlossen, geringeres Infektionsrisiko, jedoch Energieverluste durch Hautgewebe.[2][3]
*Je nach Systemtyp stehen unterschiedliche chirurgische Zugänge und Leistungsniveaus zur Verfügung, sodass eine individuelle Anpassung möglich ist
* '''Aktiv transkutan (z. B. Bonebridge, Osia):''' Wandler unter der Haut, Signalübertragung induktiv, hohe Verstärkung bei geschlossenem Hautmantel, geringere Hautprobleme.[4][5] 
*Moderne Systeme sind je nach Modell teilweise tauglich für [[MRT-Untersuchungen]]<ref name="quelle4"/> und erfordern unterschiedliche Pflegeaufwände
*Bei geeigneter Indikation ermöglicht die direkte Knochenleitung eine klare und verzerrungsarme Schallwahrnehmung


== Unterschiede zwischen den Implantaten ==
Unterschiede ergeben sich vor allem in chirurgischem Zugang, Tragekomfort und Pflegeaufwand<ref name="quelle5"/>:
* '''Perkutane Systeme''' (Verbindung durch die Haut)''':''' Direkter mechanischer Anschluss, sehr gute Signalübertragung, regelmäßige Hautpflege erforderlich
* '''Passive transkutane Systeme:''' Transkutane magnetische Kopplung – der Soundprozessor wird über einen äußeren Magneten mit einem unter der Haut liegenden Magneten verbunden. Geschlossene Hautoberfläche, geringere Infektionsanfälligkeit als bei perkutanen Systemen. Möglicherweise reduzierte Leistungsübertragung
* '''Aktive transkutane Systeme:''' Implantat vollständig unter der Haut, implantierte Antriebseinheit. Geschlossene Hautoberfläche, geringere Infektionsanfälligkeit als bei perkutanen Systemen. Hohe Übertragungsleistung bei minimalem Pflegeaufwand
== Hersteller, Modelle und Generationen ==
== Hersteller, Modelle und Generationen ==
* '''Cochlear:''' BAHA-Systeme (seit ca. 1980er, kommerziell seit ca. 1997); Varianten ''Baha Connect'' (perkutan) und ''Baha Attract'' (transkutan, seit ca. 2013/14).[2] Zudem das aktive System ''Osia'' (Osia2, seit ca. 2019).[2]
Die Entwicklung der Knochenleitungsimplantate verlief in mehreren Schritten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Hersteller, Modelle und technischen Entwicklungen:
* '''MED-EL:''' ''Bonebridge'' (erstmals implantiert 2011, BCI601; Weiterentwicklung BCI602 seit ca. 2019).[5][7]
{| class="wikitable"
* '''Oticon Medical:''' ''Ponto''-Reihe (seit ca. 2009, perkutane Systeme).[2]
! Hersteller !! Implantat !! Typ !!Prozessoren !! Bilder der Modelle
* '''Sophono (Medtronic):''' magnetisch-transkutane Systeme, FDA-Zulassung Anfang 2010er, später von Medtronic übernommen.[2]
|-
| rowspan="3" | [[Cochlear]]
| Baha Connect
| Perkutan über Abutment
| rowspan="2" |Verschiedene Baha-Prozessorgenerationen (ab Baha 5 mit beiden kompatibel)
|[[Datei:Baha Connect.png|alternativtext=Baha Connect System Bild|120x120px]]
|-
|Baha Attract
|Passiv-transkutan
|[[Datei:Baha Attract.png|alternativtext=Baha Attract System Bild|120x120px]]
|-
| OSI-System
| Aktiv-transkutan, Piezo-basiert
|Osia/Osia2
|[[Datei:OSI300-System Osia.jpg|alternativtext=OSI300-System Osia Bild|120x120px]]<br><small>Fotos: Cochlear Ltd.</small>
|-
| rowspan="2" | [[MED-EL]]<br>
| Bonebridge BCI601
| rowspan="2" | Aktiv-transkutan
|SAMBA/SAMBA 2
|rowspan="2" align=center| [[Datei:Bonebridge System Samba 2.png|alternativtext=Bonebridge System Samba 2 Bild|120x120px]]<br><small>Foto: MED-EL</small>
|-
|Bonebridge BCI602
|SAMBA 2
|-
| rowspan="2" | [[Oticon Medical]]
| Ponto
| Perkutan
|Verschiedene Ponto-Prozessorgenerationen inklusive Ponto Mini
|<!--[[Datei:Ponto 4 .png|alternativtext=Ponto 4 System Bild|120x120px]]-->
<!--|-
| Sophono, später Übernahme Medtronic
| Sophono Bone Conduction Implant
| Passiv-transkutan
|Alpha-Serie
|<!--[[Datei:Sophono BAHA Implantat.png|alternativtext=Sophono BAHA Implantat System Bild|120x120px]]-->
|-
|Sentio Ti
|Aktiv transkutan
|Sentio 1 mini
|
|}


== Entwicklungslinien ==
== Geschichte ==
* '''Frühe externe Knochenleiter''' (bis Mitte 20. Jh.): Kopfband-/Brillenlösungen.
Die Knochenleitungsimplantate (BAHA = Bone Anchored Hearing Aid) gehen auf eine schwedische Forschergruppe zurück<ref name="BAHA-History2"/>. Diese Forscher entwickelten Anfang der 1980er-Jahre einen ersten Knochenleitungs-Prototyp auf Basis der Osseointegration.
* '''Implantierbare perkutane Systeme''' (ab 1977): Erste BAHA-Implantationen in Göteborg; kommerzielle Verfügbarkeit ab Ende der 1980er Jahre
* '''Transkutane magnetische Systeme''' (2000er–2010er): Abutment-freie Lösungen (z. B. Sophono, Baha Attract). 
* '''Aktive transkutane Systeme''' (seit 2011): Bonebridge (2011/12), Osia (2019).


== Unterschiede zwischen den Systemen ==
Die weitere Entwicklung lässt sich in mehreren Schritten beschreiben:
* **Schallübertragung:** Perkutane Systeme → sehr effizient; aktive transkutane Systeme → ähnlich leistungsstark; passive transkutane Systeme → Energieverluste durch Haut.[6] 
* **Hautkomplikationen:** Perkutane Systeme → häufig Hautreizungen; transkutane Systeme → weniger Hautprobleme.[3][5] 
* **Chirurgischer Zugang:** Aktive Systeme → präzisere Platzierung (Bildgebung nötig); magnetische Systeme → größere Implantatplatten.[4] 
* **Komfort und Tragegefühl:** Transkutane Systeme gelten als angenehmer, da kein Hautdurchbruch vorliegt.[4][5] 


== Vorteile und Besonderheiten ==
* 1985: Markteinführung des ersten BAHA-Soundprozessors HC-100 von Cochlear<ref name="BAHA-History"/>
* Natürliches Hören bei offenem Gehörgang, vorteilhaft bei chronischen Entzündungen oder anatomischen Besonderheiten.[3][4]
* 1988: verbesserte Version HC-200 von Cochlear<ref name="BAHA-History"/>
* Individuell anpassbar, teilweise MRT-tauglich, patientenspezifische Auswahl.[3][4]  
* 2005: Übernahme der BAHA-Technologie durch [[Cochlear]]<ref name="BAHA-History2"/><ref name="BAHA-History"/>, wodurch die Systeme international weiterentwickelt werden
* ab 2009: Einführung alternativer Systeme wie das Ponto-System von [[Oticon Medical]]<ref name="Ponto/>
* ab 2012: Entwicklung aktiver transkutaner Systeme (z.B. Bonebridge von [[MED-EL]])<ref name="BoneBridge1"/>
* ab 2013: Einführung passiv-transkutaner Systeme mit magnetischer Kopplung (z.B. Cochlear Baha Attract)<ref name="Baha4"/>, 2014 klinische Einführung<ref name="BAHA-History2/>
* ab 2019: Weiterentwicklung zu aktiven transkutanen Systemen mit neuen Technologien (z.B. MED-EL Bonebridge)<ref name="BoneBridge2"/>
* ab 2021: weitere Entwicklung zu aktiven transkutanen Systemen (z.B. Cochlear OSI-System)<ref name="OSIA/>


== Komplikationen und Nachsorge ==
==Weblinks==
Mögliche Komplikationen sind Hautreaktionen, Infektionen, Implantatverlust oder Schmerzen. Perkutane Systeme erfordern regelmäßige Hautpflege, während transkutane Systeme diese Problematik verringern.[3][5]
*[https://www.cochlear.com/ch/de/home/diagnosis-and-treatment/how-cochlear-solutions-work/bone-conduction-solutions/bone-conduction-implants Cochlear - Knochenleitungsimplantate]
*[https://www.medel.com/de/hearing-solutions/bonebridge MED-EL - BONEBRIDGE]
*[https://www.oticonmedical.com/de?gad_source=1&gad_campaignid=21677095341&gclid=Cj0KCQiA5I_NBhDVARIsAOrqIsZoNRMtTVpTo4AxBlLuDwLyGQ4IHsKvEnoiwEd9FHX81n7rqVfbylEaAqEWEALw_wcB Oticon Medical - Knochenleitungshören]
*[https://sentio.oticonmedical.com/de Oticon Medical: Sentio™ System]
* YouTube Video: [https://www.youtube.com/watch?v=KRjl9yEkjoM Cochlear: How the Cochlear™ Baha® Attract System Works]
* YouTube Video: [https://www.youtube.com/watch?v=ISF-7qsnNwI MED-EL: So funktioniert das BONEBRIDGE Knochenleitungsimplantat]


== Bild eines Knochenleitungsimplantats ==
== Einzelnachweise ==
[[Datei:Knochenleitungsimplantat.JPG|thumb|300px|Implantierte Titanschraube zur Befestigung eines Knochenleitungs-Verstärkers (Quelle: TimotheusB, Wikimedia Commons, CC BY-SA).]] 
<references>
* Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Knochenleitungsimplantat.JPG 
<ref name="quelle1">{{Internetquelle|url=https://www.ihr-hoergeraet.de/hoerimplantate/knochenleitungsimplantat/knochenleitungsimplantat-funktion/|titel= Funktion von Knochenleitungsimplantaten|autor=IhrHörgerät|abruf=2025-11-15}}</ref>
* Zusätzlich stellt Cochlear ein frei verwendbares Bild zur Verfügung: https://presse-de.cochlear.com/images/wie-das-hoeren-mit-einem-baha-knochenleitungsimplantat-bei-einseitigem-hoerverlust-funktioniert-1873721 [11] 
<ref name="quelle2">{{Internetquelle|url=https://hearpeers.medel.com/de/erfahren/horlosungen/fur-wen-kommt-ein-knochenleitungsimplantat-in-frage|titel=Indikationen und Kriterien für das Knochenleitungsimplantat|autor=hear-peers by MED-EL|abruf=2025-11-15}}</ref>
 
<ref name="quelle3">{{Internetquelle|url=https://www.oticonmedical.com/de/hearing-and-hearing-loss/new-to-bone-conduction/what-you-need-to-know-about-bone-anchored-hearing|titel=Wissenswertes allgemein über das Knochenleitungsimplantat|autor=Oticon Medical|abruf=2025-11-15}}</ref>
== Anmerkung ==
<ref name="quelle4">{{Internetquelle|url=https://blog.medel.pro/de/produkte-neuheiten/mrt-hinweise-fuer-vibrant-soundbridge-bonebridge-schritt-fuer-schritt-erklaert/|titel=MRT-Hinweise|autor=MED-EL|abruf=2025-11-15}}</ref>
Dieser Artikel liefert eine sachliche Übersicht; er ersetzt keine medizinische Beratung. Konkrete Indikationsentscheidungen, Auswahl des Systems und operative Details sollten in einem spezialisierten Zentrum individuell erfolgen.
<ref name="quelle5">{{Internetquelle|url=https://www.ihr-hoergeraet.de/hoerimplantate/knochenleitungsimplantat/knochenleitungsimplantat-produkte-modelle/|titel=Produkte & Modelle|autor=IhrHörgerät|abruf=2025-11-15}}</ref>
<ref name="quelle6">{{Internetquelle|url=https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK564385/|titel=Osseointegrated Bone-Conducting Hearing Protheses|autor=National Library of Medicine-Jose Sanchez-Perez; Antonio Riera March|abruf=2026-03-01}}</ref>
<ref name="BAHA-History">{{Internetquelle|url=https://hearandnow.cochlear.com/hearing-solutions/bone-conduction/evolution-of-baha/|titel=Bone conduction implants, The Evolution of the Baha system 1977 – 2021|abruf=2026-02-06|autor=Anna Martinez}}</ref>
<ref name="BAHA-History2">{{Internetquelle|url=https://www.barnplantorna.se/baha-film/history_baha.html|autor=Barnplantorna|titel=The Bone Anchored Hearing System was Developed in Sweden|abruf=2026-02-06}}</ref>
<ref name="Baha4">{{Internetquelle|url=https://https://www.nsmedicaldevices.com/news/cochlear-obtains-fda-approval-for-baha-4-attract-system-041213-4140118/|titel=Cochlear obtains FDA approval for Baha 4 attract system|autor=NS Medical Devices|abruf=2026-03-06}}</ref>
<ref name="OSIA>{{Internetquelle|url=https://presse-de.cochlear.com/pressreleases/cochlear-gibt-launch-von-cochlear-osia-r-system-bekannt-3105644#:~:text=Cochlear%20gibt%20Launch%20von%20Cochlear%E2%84%A2%20Osia%C2%AE%20System,%7C%20Cochlear%20Deutschland%20GmbH%20&%20Co.%20KG.|titel=Cochlear gibt Launch von Cochlear™ Osia® System bekannt|autor=Cochlear|abruf=2026-03-23}}</ref>
<ref name="BoneBridge1>{{Internetquelle|url=https://www.gesundheitswirtschaft.at/med-el-neues-knochenleitungsimplantat-bonebridge/|titel=neues Knochenleitungsimplantat BONEBRIDGE|autor=gesundheitswirtschaft.at|abruf=2026-03-23}}</ref>
<ref name="BoneBridge2>{{Internetquelle|url=https://www.medel.com/de/press-room/press-details/2019/09/27/med-el-pr%C3%A4sentiert-die-n%C3%A4chste-generation-seines-knochenleitungsimplantats-bonebridge-bci-602|titel=Nächste Generation des Knochenleitungsimplantats: BONEBRIDGE BCI 602|autor=MED-EL|abruf=2026-03-23}}</ref>
<ref name="Ponto>{{Internetquelle|url=https://www.audioinfos365.de/2090-oticon-medical-feiert-10-jahre-ponto-hoerprozessoren/#:~:text=Ponto%20wird%20ein%20weiteres%20Synonym%20f%C3%BCr%20das,dem%20erm%C3%B6glichen%20es%20die%20Ponto%2DH%C3%B6rprozessoren%20Menschen%20mit|titel=Oticon Medical feiert 10 Jahre Ponto Hörprozessoren|autor=audio infos 365|abruf=2026-03-23}}</ref>
</references>


== Einzelnachweise ==
[[Kategorie: Allgemeines]]
<references/>
[[Kategorie: Neu]]
[[Kategorie: Knochenleitungssysteme]]

Aktuelle Version vom 14. April 2026, 21:28 Uhr

Knochenleitungsimplantate (bone-anchored hearing implants), sind implantierbare Hörsysteme, die Schallsignale über mechanische Vibrationen direkt an das Innenohr leiten. Sie finden Anwendung bei Personen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, kombinierter Schwerhörigkeit oder einseitiger Taubheit.[1]

Abgebildet ist ein Beispielbild eines perkutanen Knochenleitungsimplantats (BAHA) von Cochlear. Dabei sind der innere Teil dargestellt, der das System und den Einbau visualisiert
Beispiel eines perkutanen Knochenleitungsimplantats (BAHA-System)
Bild: Cochlear

Medizinische Indikationen

Knochenleitungsimplantate kommen zum Einsatz, wenn das Außen- oder Mittelohr nicht korrekt funktioniert, das Innenohr jedoch intakt ist.[2]

Zu den Hauptindikationen[3] zählen:

  • Schallleitungs- oder kombinierte Schwerhörigkeit (Außen- oder Mittelohr betroffen, Cochlea intakt)
  • Einseitige Taubheit, etwa nach Hörsturz oder Operation
  • Chronisch-rezidivierende Mittelohrentzündungen
  • Gehörgangserkrankungen, z. B. Ekzeme oder Fehlbildungen, die konventionelle Hörgeräte ausschließen
  • Unverträglichkeit oder mangelnde Wirksamkeit herkömmlicher Hörgeräte

Voraussetzungen sind eine ausreichende Knochenqualität, keine aktive Infektion im Operationsgebiet sowie ein Alter, das eine stabile Osseointegration (festes Einwachsen eines Implantats in den Knochen) erlaubt. Jedoch kann das Knochenleitungsimplantat auch trotzdem eine Lösung für Menschen mit chronischen Ohrentzündungen sein.[4]

Funktionsweise

Knochenleitungsimplantate übertragen Schall nicht über den natürlichen Weg durch Außen- und Mittelohr, sondern direkt als mechanische Vibrationen an die Cochlea. Dazu besteht das System aus einem externen Soundprozessor (auch Audioprozessor oder Sprachprozessor genannt) und einer im Schädelknochen verankerten Implantatkomponente. Der Soundprozessor nimmt Schall auf, wandelt ihn in elektrische Signale um und überträgt diese an das Implantat. Dort werden die Signale in Vibrationen umgesetzt, die über den Knochen an das Innenohr gelangen. Dadurch können geschädigte Strukturen des Außen- oder Mittelohrs umgangen werden.[4]

Diese direkte Übertragung bringt mehrere praktische Vorteile:

  • Der Gehörgang bleibt offen, was insbesondere bei chronischen Entzündungen oder anatomischen Besonderheiten hilfreich ist[4]
  • Je nach Systemtyp stehen unterschiedliche chirurgische Zugänge und Leistungsniveaus zur Verfügung, sodass eine individuelle Anpassung möglich ist
  • Moderne Systeme sind je nach Modell teilweise tauglich für MRT-Untersuchungen[5] und erfordern unterschiedliche Pflegeaufwände
  • Bei geeigneter Indikation ermöglicht die direkte Knochenleitung eine klare und verzerrungsarme Schallwahrnehmung

Unterschiede zwischen den Implantaten

Unterschiede ergeben sich vor allem in chirurgischem Zugang, Tragekomfort und Pflegeaufwand[6]:

  • Perkutane Systeme (Verbindung durch die Haut): Direkter mechanischer Anschluss, sehr gute Signalübertragung, regelmäßige Hautpflege erforderlich
  • Passive transkutane Systeme: Transkutane magnetische Kopplung – der Soundprozessor wird über einen äußeren Magneten mit einem unter der Haut liegenden Magneten verbunden. Geschlossene Hautoberfläche, geringere Infektionsanfälligkeit als bei perkutanen Systemen. Möglicherweise reduzierte Leistungsübertragung
  • Aktive transkutane Systeme: Implantat vollständig unter der Haut, implantierte Antriebseinheit. Geschlossene Hautoberfläche, geringere Infektionsanfälligkeit als bei perkutanen Systemen. Hohe Übertragungsleistung bei minimalem Pflegeaufwand

Hersteller, Modelle und Generationen

Die Entwicklung der Knochenleitungsimplantate verlief in mehreren Schritten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Hersteller, Modelle und technischen Entwicklungen:

Hersteller Implantat Typ Prozessoren Bilder der Modelle
Cochlear Baha Connect Perkutan über Abutment Verschiedene Baha-Prozessorgenerationen (ab Baha 5 mit beiden kompatibel) Baha Connect System Bild
Baha Attract Passiv-transkutan Baha Attract System Bild
OSI-System Aktiv-transkutan, Piezo-basiert Osia/Osia2 OSI300-System Osia Bild
Fotos: Cochlear Ltd.
MED-EL
Bonebridge BCI601 Aktiv-transkutan SAMBA/SAMBA 2 Bonebridge System Samba 2 Bild
Foto: MED-EL
Bonebridge BCI602 SAMBA 2
Oticon Medical Ponto Perkutan Verschiedene Ponto-Prozessorgenerationen inklusive Ponto Mini
Sentio Ti Aktiv transkutan Sentio 1 mini

Geschichte

Die Knochenleitungsimplantate (BAHA = Bone Anchored Hearing Aid) gehen auf eine schwedische Forschergruppe zurück[7]. Diese Forscher entwickelten Anfang der 1980er-Jahre einen ersten Knochenleitungs-Prototyp auf Basis der Osseointegration.

Die weitere Entwicklung lässt sich in mehreren Schritten beschreiben:

  • 1985: Markteinführung des ersten BAHA-Soundprozessors HC-100 von Cochlear[8]
  • 1988: verbesserte Version HC-200 von Cochlear[8]
  • 2005: Übernahme der BAHA-Technologie durch Cochlear[7][8], wodurch die Systeme international weiterentwickelt werden
  • ab 2009: Einführung alternativer Systeme wie das Ponto-System von Oticon Medical[9]
  • ab 2012: Entwicklung aktiver transkutaner Systeme (z.B. Bonebridge von MED-EL)[10]
  • ab 2013: Einführung passiv-transkutaner Systeme mit magnetischer Kopplung (z.B. Cochlear Baha Attract)[11], 2014 klinische Einführung[7]
  • ab 2019: Weiterentwicklung zu aktiven transkutanen Systemen mit neuen Technologien (z.B. MED-EL Bonebridge)[12]
  • ab 2021: weitere Entwicklung zu aktiven transkutanen Systemen (z.B. Cochlear OSI-System)[13]

Einzelnachweise

  1. IhrHörgerät: Funktion von Knochenleitungsimplantaten, letzter Abruf: 2025-11-15
  2. hear-peers by MED-EL: Indikationen und Kriterien für das Knochenleitungsimplantat, letzter Abruf: 2025-11-15
  3. National Library of Medicine-Jose Sanchez-Perez; Antonio Riera March: Osseointegrated Bone-Conducting Hearing Protheses, letzter Abruf: 2026-03-01
  4. 4,0 4,1 4,2 Oticon Medical: Wissenswertes allgemein über das Knochenleitungsimplantat, letzter Abruf: 2025-11-15
  5. MED-EL: MRT-Hinweise, letzter Abruf: 2025-11-15
  6. IhrHörgerät: Produkte & Modelle, letzter Abruf: 2025-11-15
  7. 7,0 7,1 7,2 Barnplantorna: The Bone Anchored Hearing System was Developed in Sweden, letzter Abruf: 2026-02-06
  8. 8,0 8,1 8,2 Anna Martinez: Bone conduction implants, The Evolution of the Baha system 1977 – 2021, letzter Abruf: 2026-02-06
  9. audio infos 365: Oticon Medical feiert 10 Jahre Ponto Hörprozessoren, letzter Abruf: 2026-03-23
  10. gesundheitswirtschaft.at: neues Knochenleitungsimplantat BONEBRIDGE, letzter Abruf: 2026-03-23
  11. NS Medical Devices: Cochlear obtains FDA approval for Baha 4 attract system, letzter Abruf: 2026-03-06
  12. MED-EL: Nächste Generation des Knochenleitungsimplantats: BONEBRIDGE BCI 602, letzter Abruf: 2026-03-23
  13. Cochlear: Cochlear gibt Launch von Cochlear™ Osia® System bekannt, letzter Abruf: 2026-03-23