Knochenleitungsimplantate: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 15. November 2025, 14:46 Uhr
Knochenleitungsimplantate sind implantierbare Hörsysteme, die Schallsignale über mechanische Vibrationen direkt an das Innenohr leiten. Sie finden Anwendung bei Personen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, kombinierter Schwerhörigkeit oder einseitiger Taubheit.[1]
Medizinische Indikationen
Knochenleitungsimplantate kommen zum Einsatz, wenn das Außen- oder Mittelohr nicht korrekt funktioniert, das Innenohr jedoch intakt ist. Zu den Hauptindikationen zählen:
- Schallleitungs- oder kombinierte Schwerhörigkeit (Außen- oder Mittelohr betroffen, Cochlea intakt)[2]
- Einseitige Taubheit, etwa nach Hörsturz oder Operation[3][4]
- Chronisch-rezidivierende Mittelohrentzündungen[5]
- Gehörgangserkrankungen, z. B. Ekzeme oder Fehlbildungen, die konventionelle Hörgeräte ausschließen[5]
- Unverträglichkeit oder mangelnde Wirksamkeit herkömmlicher Hörgeräte[3][2]
Weitere Voraussetzungen sind eine ausreichende Knochenqualität, keine aktive Infektion im Operationsgebiet sowie ein Alter, das eine stabile Osseointegration erlaubt. Nationale Leitlinien (z. B. NHS-Spezifikationen) definieren zusätzliche audiometrische Kriterien.[6]
Funktionsweise
Knochenleitungsimplantate übertragen Schall nicht über den natürlichen Weg durch Außen- und Mittelohr, sondern direkt als mechanische Vibrationen an die Cochlea. Dazu besteht das System aus einem externen Audioprozessor und einer im Schädelknochen verankerten Implantatkomponente. Der Sound-/ bzw. Audioprozessor nimmt Schall auf, wandelt ihn in elektrische Signale um und überträgt diese an das Implantat. Dort werden die Signale in Vibrationen umgesetzt, die über den Knochen an das Innenohr gelangen. Dadurch können geschädigte Strukturen des Außen- oder Mittelohrs umgangen werden.
Diese direkte Übertragung bringt mehrere praktische Vorteile:
- Der Gehörgang bleibt offen, was insbesondere bei chronischen Entzündungen oder anatomischen Besonderheiten hilfreich ist
- Je nach Systemtyp stehen unterschiedliche chirurgische Zugänge und Leistungsniveaus zur Verfügung, sodass eine individuelle Anpassung möglich ist
- Moderne Systeme sind je nach Modell teilweise MRT-tauglich und erfordern unterschiedliche Pflegeaufwände
- Bei geeigneter Indikation ermöglicht die direkte Knochenleitung eine klare und verzerrungsarme Schallwahrnehmung
Hersteller, Modelle und Generationen
Die Entwicklung der Knochenleitungsimplantate verlief in mehreren Schritten: von den ersten perkutanen Systemen der 1970er Jahre über magnetische Lösungen der 2000er bis hin zu modernen aktiven transkutanen Systemen ab 2011. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Hersteller, Modelle und technischen Entwicklungen:
| Hersteller | Modell/Serie | Typus | Markteinführung (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Cochlear | BAHA (Connect/Attract) | Perkutan (Connect), passiv-transkutan (Attract) | Erste Implantationen 1977, kommerziell ab Ende 1980er, Attract ca. 2013 | Erste kommerziell erfolgreiche Implantate; Connect mit Abutment, Attract magnetisch durch Haut |
| Cochlear | Osia (Osia2) | Aktiv-transkutan | 2019 | Piezo-basiertes aktives System; hohe Verstärkung, Haut bleibt geschlossen |
| Oticon Medical | Ponto | Perkutan | ab 2009 | Alternative zu BAHA-Systemen, verschiedene Generationen von Audioprozessoren |
| MED-EL | Bonebridge (BCI601, BCI602) | Aktiv-transkutan | Erste Implantation 2011, BCI602 seit 2019 | Erstes aktives transkutanes Knochenleitungsimplantat; Weiterentwicklungen für kleinere Bauweise und höhere Leistung |
| Sophono / Medtronic | Alpha-Serie | Passiv-transkutan | FDA-Zulassung ab 2010er | Vollständig implantierter Magnet, extern gekoppelter Prozessor; später von Medtronic übernommen |
Unterschiede zwischen den Implantaten
Unterschiede ergeben sich vor allem in chirurgischem Zugang, Tragekomfort und Pflegeaufwand:
- Perkutane Systeme: Direkter mechanischer Anschluss, sehr gute Signalübertragung, regelmäßige Hautpflege erforderlich [5][7]
- Passive transkutane Systeme: Geschlossene Hautoberfläche, geringere Infektionsanfälligkeit, möglicherweise reduzierte Leistungsübertragung
- Aktive transkutane Systeme: Implantierte Antriebseinheit, geschlossene Haut, hohe Übertragungsleistung bei minimalem Pflegeaufwand [4][7]
Einzelnachweise
- ↑ IhrHörgerät: Funktion von Knochenleitungsimplantaten, letzter Abruf: 2025-11-15
- ↑ 2,0 2,1 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
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<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensihr1wurde kein Text angegeben. - ↑ 4,0 4,1 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensulmwurde kein Text angegeben. - ↑ 5,0 5,1 5,2 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensihr2wurde kein Text angegeben. - ↑ NHS Service Specification for Bone Conduction Devices, 2023.
- ↑ 7,0 7,1 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
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