FM-Anlage: Unterschied zwischen den Versionen

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Als '''FM-Anlagen''' werden drahtlose Signalübertragungsanlagen bezeichnet, die z.B. Sprache oder Musik in Funksignale umwandeln und sie dadurch übertragen. Sie basieren auf Sender und Empfänger. Die Abkürzung „FM“ stammt aus der Zeit, als noch die Frequenzmodulation als Übertragungstechnik diente. FM-Anlagen stellen eine Alternative zu [[Induktive Höranlagen|induktiven Höranlagen]] dar.
'''FM-Anlagen''' sind drahtlose Übertragungsanlagen, die beispielsweise Sprache oder Musik in Funksignale umwandeln, und so drahtlos übertragen. Sie bestehen aus einem Sender und einem oder mehreren Empfängern. FM-Anlagen dienen als Alternative zu [[Induktive Höranlagen|induktiven Höranlagen]].
 
== Begriffsdefinition ==
Die Abkürzung "FM" stammt aus der Zeit, als die Frequenzmodulation als übliche Übertragungstechnik genutzt wurde. Heute wird der Begriff FM-Anlage allgemein für verschiedene Übertragungsanlagen verwendet, auch wenn diese nicht mehr auf [[Entwicklung:FM-Anlage#FM|Frequenzmodulation]] basieren.
 
Häufig werden auch [[Roger|Roger-Systeme]] als FM-Anlagen bezeichnet, obwohl sie eine andere Übertragungstechnologie verwenden.
 
=== FM-Technologie ===
Das FM-System ist ein etablierter Industriestandard zur Funkübertragung an Hörgeräte. Es verbessert das [[Glossar#SNR|Signal-Rausch-Verhältnis]] (SNR) in unterschiedlichen Umgebungen wie Schule, Büro oder Konferenzräumen. Die Technik zeichnet sich durch hohe Klangqualität und einer Reichweite von 15 bis 30 Metern aus. FM-Systeme arbeiten auf verschiedenen Kanälen, um Interferenzen zu vermeiden, sind jedoch anfällig für Störungen durch elektrische Geräte oder benachbarte Frequenzen.
 
FM-Empfänger können universell für viele Hörgeräte oder proprietär für spezifische Modelle ausgelegt sein. Nachteile der Technologie sind die hohen Kosten, potenzielle Störanfälligkeit und zum Teil die Notwendigkeit zusätzlicher Hardware, die das Hörgerät größer macht.
 
=== Roger™ Technologie ===
[[Phonak]] entwickelte in den 2010er-Jahren die [[Roger|Roger-Technologie]] als Weiterentwicklung klassischer FM-Systeme. Sie basiert auf digitaler Funkübertragung und bietet eine klarere Sprachübertragung, weniger Störungen und eine vereinfachte Verbindung zu modernen Hörgeräten und [[Cochlea-Implantat (CI-System)|Cochlea-Implantaten]].


==Funktionsweise==
==Funktionsweise==
Eine FM-Anlage besteht aus zwei Hauptkomponenten:
* Mikrofonsender oder stationäre Sender: Wandeln akustische Signale wie Sprache oder Musik in Funksignale um und senden sie an den Empfänger. Stationäre Sender können zusätzlich an externe Audiogeräte wie Mischpulte oder Kinoprozessoren angeschlossen werden.
* Empfänger: Dieser ist entweder in das Hörsystem integriert oder über ein separates Gerät verbunden. Er empfängt die Funksignale und wandelt sie in Audiosignale um, die beim Hörgerät verstärkt oder beim Cochlea-Implantat weiterverarbeitet werden.
== FM- bzw. Roger-Empfänger beim Cochlea-Implantat ==
Je nach CI-System gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Signale einer Übertragungsanlage zu empfangen. Diese unterscheiden sich je nach Hersteller und Prozessor. Bei allen Modellen muss der Sprachprozessor speziell für die Nutzung mit der FM-Anlage programmiert werden. Dabei kann das Mischungsverhältnis zwischen FM-Signal und CI-Mikrofon eingestellt werden, um die optimale Hörqualität zu erreichen<ref>{{Internetliteratur|autor=Phonak|titel=Anpassanleitung Roger™ und Cochlea-Implantate|url=https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_and_ci.pdf|abruf=2025-02-10|herausgeber=Phonak|jahr=2017-11, Seite 2}}</ref>. Für die bestmögliche Nutzung einer FM-Anlage mit einem CI-Sprachprozessor sollten Nutzende eine audiologische oder technische CI-Fachkraft konsultieren, um die optimale Lösung für ihr spezifisches Gerät zu finden.


Die FM-Anlage besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem '''Mikrofonsender''' und '''Funkempfänger'''.
=== Verbindungsmöglichkeiten je nach Hersteller ===
'''Cochlear'''
* [[Nucleus 8|Nucleus 7/8]]<ref name="CochlearCompare"/>: Direkte Verbindung über den [[Roger 20]] oder indirekte Verbindung über [[Roger X]] mit Cochlear Wireless [[Minimikrofon 2+]] oder [[Roger Neckloop]].
* Kanso/[[Nucleus Kanso 2|Kanso 2]]<ref name=":0">{{Internetquelle|autor=Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Cochlear Implant - ICF|titel=Cochlea Implantat, Abschnitt Ankopplungsmöglichkeiten|url=https://www.uniklinik-freiburg.de/icf/ci-versorgung/implantate/cochlea-implantat.html|abruf=2025-02-10}}</ref>: Indirekte Verbindung über [[Roger X]] mit Cochlear Wireless Minimikrofon 2+ oder Roger Neckloop.
* Ältere Modelle (z.B. [[Nucleus 6]])<ref>{{Internetquelle|autor=Phonak|titel=Anpassanleitung Roger und Cochlear Soundprozessor Nucleus 5
und Nucleus 6|url=https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_cochlear_nucleus%205_6.pdf|abruf=2025-02-10}}</ref>: Verbindung über Roger 14, [[Roger X]] (mit Euro-Adapter) oder Roger Neckloop.


Das Mikrofon des Sprechers dient als Sender und ist direkt mit dem Empfänger verbunden.
''' MED-EL '''
Der Sender wandelt die akustischen Signale, wie Sprache und Musik, in Funksignale um, die über einen bestimmten Frequenzbereich zum Empfänger gesendet werden.


Der Empfänger ist entweder in das Hörsystem integriert oder über ein separates Gerät mit dem Hörsystem verbunden und empfängt die Funksignale von Sender.  
* OPUS 2<ref name=":1">{{Internetquelle|autor=Phonak|titel=Anpassanleitung Roger und MED-EL Soundprozessor SONNET,
RONDO und OPUS 2|url=https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_med-el_sonnet_rondo_opus2.pdf|abruf=2025-02-10}}</ref>: FM-Batterieabdeckung + [[Roger X]]
* [[SONNET]]<ref name=":1">{{Internetquelle|autor=Phonak|titel=Anpassanleitung Roger und MED-EL Soundprozessor SONNET,
RONDO und OPUS 2|url=https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_med-el_sonnet_rondo_opus2.pdf|abruf=2025-02-10}}</ref>: FM-Batterieabdeckung + [[Roger X]] oder indirekt über [[AudioLink]]/[[AudioLink XT]] und [[AudioStream]]
* [[RONDO 3]]: Indirekt über [[AudioLink]]/[[AudioLink XT]] und AudioStream-Adapter<ref name=":2">{{Internetquelle|autor=MED-EL|titel=AudioLink XT|url=https://www.medel.com/de/hearing-solutions/accessories/connectivity/audiolink-xt|abruf=2025-02-10}}</ref> oder FM-Adapter
* [[RONDO]]/[[RONDO 2]]<ref name=":1" />: Verbindung über Mini-Batteriefach oder AudioLink XT und [[AudioStream]] Adapter<ref name=":2" />.
* [[SONNET 3]]<ref name=":2" />: Indirekte Verbindung über AudioLink XT mit FM-Adapter


Beim Hörgerät wandelt der Empfänger die Funksignale wieder in akustische Signale um, die dann verstärkt ins Ohr geleitet werden.
''' Advanced Bionics '''


Bei einem Cochlea-Implantat leitet der Empfänger die Signale an den Sprachprozessor des CI weiter https://www.uniklinik-freiburg.de/icf/hilfreiches/glossar/fm-system-fm-anlage.html
* Naida CI Q90<ref>{{Internetliteratur|autor=Advanced Bionics AG|titel=Naída CI Q90 Soundprozessor – Gebrauchsanweisung|url=https://www.advancedbionics.com/content/dam/advancedbionics/Documents/Regional/US/libraries/naidaci/naida-ci-q90-user-guide.pdf|abruf=2025-02-10|herausgeber=Advanced Bionics AG|jahr=2015}}</ref>: Verbindung über [[Roger X]] auf [[ComPilot]] oder Roger 17 auf PowerCel 170 (Akku für Naida Q90).
* Naida CI M90 und Sky CI M90<ref>{{Internetliteratur|autor=Advanced Bionics AG|titel=Produktkatalog NAÍDA CI M & SKY CI M (Seite 16)|url=https://www.advancedbionics.com/content/dam/advancedbionics/Documents/Regional/DE/Produkte-DE/Na%C3%ADda/NaidaCI-M/028-N091-01_RevJ_Marvel%20CI%20Produktkatalog_DE_A4_web.pdf|abruf=2025-02-10|herausgeber=Advanced Bionics und Tochtergesellschaften|jahr=2024}}</ref>: Verbindung über [[RogerDirect]]™.


FM-Anlagen werden auch als digitale Signalübertragungsanlagen bezeichnet.
''' Oticon Medical '''
* [[Neuro 2]]: Indirekte Verbindung über den Streamer XM<ref name=":0" /> oder [[Roger Neckloop]].


== Nutzung ==
== Nutzung in verschiedenen Kontexten ==


=== Schulungen, Vorträgen, Besprechungen, Konferenzen ===
=== Bildung und Vorträge ===


# Ausstattung des Vortragenden:
* Vortragende tragen einen Mikrofonsender, der die Sprache als Funksignal überträgt.
#* Die vortragende oder Lehrperson trägt einen Sender mit Mikrofon.
* Zuhörende mit Hörbeeinträchtigung empfangen das Signal über ein Empfangsgerät.
#* Das Mikrofon nimmt die Stimme auf und wandelt sie in Funksignale um.
* Verbindung mit Hörhilfen über Induktionsschleife, Kabel oder Bluetooth®.
# Empfang durch Zuhörende:
* Alternativ können Kopfhörer genutzt werden.
#* Zuhörende mit Hörbeeinträchtigung nutzen spezielle Empfangsgeräte.
#* Diese Empfänger werden meist um den Hals getragen.
#* Die Empfänger wandeln die Funksignale wieder in Schallwellen um.
# Verbindung mit Hörhilfen:
#* Die Empfänger leiten die Schallwellen per Umhänge-Induktionsschleife, Kabel oder Bluetooth an das Hörgerät weiter.
#* Alternativ können auch Kopfhörer verwendet werden


==== Vorteile ====
==== Vorteile ====


* Störungsfreie und direkte Übertragung des Gesprochenen.
* Direkte und klare Sprachübertragung ohne Störgeräusche.
* Nicht an räumliche Distanz gebunden.
* Unabhängigkeit von räumlicher Distanz innerhalb der Funkreichweite.
* Störende Nebengeräusche werden nicht übertragen.
* Verbesserung der Teilhabe in Schule und Beruf.
* Ermöglicht hörgeschädigten Menschen eine bessere Teilnahme am Schul- oder Berufsalltag.Für einen optimalen Einsatz sollte die FM-Anlage individuell an die Bedürfnisse der Nutzer und die spezifische Situation angepasst werden.
* Nutzung in Gruppenarbeiten durch Weitergabe des Mikrofons.
 
* Einsatz von Zusatzmikrofonen für mehrere Sprecher.
* Bei Gruppenarbeiten oder Diskussionen wird das Mikrofon herumgereicht, damit alle Beiträge gehört werden können.
* In Situationen mit Teamteaching kann ein Zusatzmikrofon für die zweite Lehrkraft verwendet werden.


==== Technische Integration ====
==== Technische Integration ====


* Der Sender kann mit verschiedenen Geräten wie TV, Computer oder Tablet verbunden werden, um Audioinhalte direkt zu übertragen.
* Verbindung mit TV, Computer oder Tablets möglich.
* Bei Cochlea-Implantaten (CI) können FM-Anlagen ebenfalls eingesetzt werden, wobei bei einem Wechsel von Hörgeräten zu CI ein neuer Empfänger benötigt wird.
* Bei Wechsel von Hörgerät zu CI ist oft ein neuer Empfänger erforderlich.
 
==== Außerschulische Anwendungen ====
 
* FM-Anlagen werden bei Museumsführungen, beim Rad- und Autofahren, beim Sport sowie beim Fernsehen und Musikhören eingesetzt.
* In Konferenzen oder bei Vorträgen tragen Sprecher das Mikrofon, um eine klare Übertragung zu gewährleisten.


==== Individuelle Anpassung ====
==== Individuelle Anpassung ====


* Der Einsatz der FM-Anlage wird individuell mit den Betroffenen und allen Beteiligten besprochen und definiert.
* Der Einsatz sollte individuell abgestimmt werden.
* Bei Kindern mit hochgradiger Hörbeeinträchtigung wird die FM-Anlage oft durchgehend verwendet.
* Bei Kindern mit hochgradiger Hörbeeinträchtigung oft durchgehende Nutzung empfohlen.


==== Praktische Tipps ====
==== Praktische Tipps ====


* Lehrer sollten Beiträge anderer Schüler sinngemäß wiederholen, da die FM-Anlage nur die Stimme der Lehrperson hervorhebt.
* Lehrer sollten Schülerbeiträge wiederholen, da das Mikrofon nur die Lehrkraft überträgt.
* In lauten Umgebungen oder auf Distanz ermöglicht die FM-Anlage ein besseres Sprachverstehen.
* Erleichtert Sprachverstehen in lauten oder großen Räumen.


=== Telefonieren ===
FM-Anlagen können auch zum Telefonieren eingesetzt werden, obwohl dies nicht ihr Hauptanwendungsgebiet ist. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man eine FM-Anlage zum Telefonieren nutzen kann https://die-brillenmacher-wallstadt.de/wie-sie-mit-hoergeraeten-telefonieren/:
# Direkte Verbindung: Bei Hörgeräten mit eingebauter T-Spule kann eine direkte drahtlose Verbindung zu einem Telefon aufgebaut werden. Die T-Spule muss dafür aktiviert sein.
# Verwendung einer Fernbedienung: Falls keine T-Spule vorhanden ist, kann bei einigen Hörgeräten eine Fernbedienung zwischengeschaltet werden. Diese empfängt das Signal und überträgt es per Funk auf die Hörgeräte.
# Telefonprogramm: Viele Hörgeräte verfügen über ein spezielles Telefonprogramm, das für optimales Telefonieren eingestellt werden kann. Dabei werden Faktoren wie Mikrofoneinstellung, Lautstärke und Reaktion auf Nebengeräusche angepasst.
# Bluetooth-Verbindung: Neuere Hörgeräte mit Bluetooth-Funktion können direkt mit Smartphones und anderen Endgeräten verbunden werden. Dies ermöglicht Telefonate in einer Entfernung von bis zu 5 Metern.
# Spezielle Telefone: Für Menschen mit stärker eingeschränktem Hörvermögen gibt es spezielle Telefone, die lauter eingestellt werden können und die Möglichkeit bieten, das Gespräch über die T-Spule des Hörgerätes zu empfangen.Beim Einsatz einer FM-Anlage zum Telefonieren ist es wichtig, auf eine ruhige Umgebung zu achten und den Gesprächspartner um deutliches Sprechen zu bitten, um ein möglichst entspanntes und klares Telefonat zu ermöglichen.
=== Fernsehen, Medien ===
=== Fernsehen, Medien ===


=== Museumsführungen ===
* Direkter Anschluss: Verbindung des Senders mit dem TV-Audioausgang (Kopfhöreranschluss, optischer Ausgang, Cinch).
 
* Verwendung eines Streamers: Bei neueren Systemen wie AudioLink XT oder ComPilot.
* TV-Adapter: Hersteller bieten spezielle TV-Adapter als Schnittstellen zur FM-Anlage an.
* Induktionsschleife: Nutzung der T-Spule von Hörgerät oder CI-Prozessor mit einer Ringschleife.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
[https://de.wikipedia.org/wiki/FM-Anlage Wikipedia-Eintrag zu FM-Anlagen]
* [https://de.wikipedia.org/wiki/FM-Anlage Wikipedia-Eintrag zu FM-Anlagen]
* [https://www.zgsz.ch/media/240425_mb_fm-anlage.pdf Zentrum für Gehör und Sprache Zürich, Merkblatt zu FM-Anlagen]
* [https://www.uniklinik-freiburg.de/icf/hilfreiches/glossar/fm-system-fm-anlage.html Universitätsklinikum Freiburg: Glossar Cochlear Implantat]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
https://www.hoerkomm.de/fm-anlagen.html
<references>
 
<ref name="CochlearCompare">{{Internetquelle|url=https://www.cochlear.com/at/de/home/products-and-accessories/cochlear-nucleus-system/nucleus-sound-processors/compare-nucleus-sound-processors|abruf=2025-01-20|autor=Cochlear|titel=Nucleus® Soundprozessoren vergleichen}}</ref>
https://am-ohr.de/fm-und-lichtsignal-anlagen/
</references>
 
[[Kategorie:Zusatztechnik]]
https://www.zgsz.ch/media/240425_mb_fm-anlage.pdf

Aktuelle Version vom 17. Juni 2025, 16:50 Uhr

FM-Anlagen sind drahtlose Übertragungsanlagen, die beispielsweise Sprache oder Musik in Funksignale umwandeln, und so drahtlos übertragen. Sie bestehen aus einem Sender und einem oder mehreren Empfängern. FM-Anlagen dienen als Alternative zu induktiven Höranlagen.

Begriffsdefinition

Die Abkürzung "FM" stammt aus der Zeit, als die Frequenzmodulation als übliche Übertragungstechnik genutzt wurde. Heute wird der Begriff FM-Anlage allgemein für verschiedene Übertragungsanlagen verwendet, auch wenn diese nicht mehr auf Frequenzmodulation basieren.

Häufig werden auch Roger-Systeme als FM-Anlagen bezeichnet, obwohl sie eine andere Übertragungstechnologie verwenden.

FM-Technologie

Das FM-System ist ein etablierter Industriestandard zur Funkübertragung an Hörgeräte. Es verbessert das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) in unterschiedlichen Umgebungen wie Schule, Büro oder Konferenzräumen. Die Technik zeichnet sich durch hohe Klangqualität und einer Reichweite von 15 bis 30 Metern aus. FM-Systeme arbeiten auf verschiedenen Kanälen, um Interferenzen zu vermeiden, sind jedoch anfällig für Störungen durch elektrische Geräte oder benachbarte Frequenzen.

FM-Empfänger können universell für viele Hörgeräte oder proprietär für spezifische Modelle ausgelegt sein. Nachteile der Technologie sind die hohen Kosten, potenzielle Störanfälligkeit und zum Teil die Notwendigkeit zusätzlicher Hardware, die das Hörgerät größer macht.

Roger™ Technologie

Phonak entwickelte in den 2010er-Jahren die Roger-Technologie als Weiterentwicklung klassischer FM-Systeme. Sie basiert auf digitaler Funkübertragung und bietet eine klarere Sprachübertragung, weniger Störungen und eine vereinfachte Verbindung zu modernen Hörgeräten und Cochlea-Implantaten.

Funktionsweise

Eine FM-Anlage besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Mikrofonsender oder stationäre Sender: Wandeln akustische Signale wie Sprache oder Musik in Funksignale um und senden sie an den Empfänger. Stationäre Sender können zusätzlich an externe Audiogeräte wie Mischpulte oder Kinoprozessoren angeschlossen werden.
  • Empfänger: Dieser ist entweder in das Hörsystem integriert oder über ein separates Gerät verbunden. Er empfängt die Funksignale und wandelt sie in Audiosignale um, die beim Hörgerät verstärkt oder beim Cochlea-Implantat weiterverarbeitet werden.

FM- bzw. Roger-Empfänger beim Cochlea-Implantat

Je nach CI-System gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Signale einer Übertragungsanlage zu empfangen. Diese unterscheiden sich je nach Hersteller und Prozessor. Bei allen Modellen muss der Sprachprozessor speziell für die Nutzung mit der FM-Anlage programmiert werden. Dabei kann das Mischungsverhältnis zwischen FM-Signal und CI-Mikrofon eingestellt werden, um die optimale Hörqualität zu erreichen[1]. Für die bestmögliche Nutzung einer FM-Anlage mit einem CI-Sprachprozessor sollten Nutzende eine audiologische oder technische CI-Fachkraft konsultieren, um die optimale Lösung für ihr spezifisches Gerät zu finden.

Verbindungsmöglichkeiten je nach Hersteller

Cochlear

MED-EL

Advanced Bionics

  • Naida CI Q90[7]: Verbindung über Roger X auf ComPilot oder Roger 17 auf PowerCel 170 (Akku für Naida Q90).
  • Naida CI M90 und Sky CI M90[8]: Verbindung über RogerDirect™.

Oticon Medical

Nutzung in verschiedenen Kontexten

Bildung und Vorträge

  • Vortragende tragen einen Mikrofonsender, der die Sprache als Funksignal überträgt.
  • Zuhörende mit Hörbeeinträchtigung empfangen das Signal über ein Empfangsgerät.
  • Verbindung mit Hörhilfen über Induktionsschleife, Kabel oder Bluetooth®.
  • Alternativ können Kopfhörer genutzt werden.

Vorteile

  • Direkte und klare Sprachübertragung ohne Störgeräusche.
  • Unabhängigkeit von räumlicher Distanz innerhalb der Funkreichweite.
  • Verbesserung der Teilhabe in Schule und Beruf.
  • Nutzung in Gruppenarbeiten durch Weitergabe des Mikrofons.
  • Einsatz von Zusatzmikrofonen für mehrere Sprecher.

Technische Integration

  • Verbindung mit TV, Computer oder Tablets möglich.
  • Bei Wechsel von Hörgerät zu CI ist oft ein neuer Empfänger erforderlich.

Individuelle Anpassung

  • Der Einsatz sollte individuell abgestimmt werden.
  • Bei Kindern mit hochgradiger Hörbeeinträchtigung oft durchgehende Nutzung empfohlen.

Praktische Tipps

  • Lehrer sollten Schülerbeiträge wiederholen, da das Mikrofon nur die Lehrkraft überträgt.
  • Erleichtert Sprachverstehen in lauten oder großen Räumen.

Fernsehen, Medien

  • Direkter Anschluss: Verbindung des Senders mit dem TV-Audioausgang (Kopfhöreranschluss, optischer Ausgang, Cinch).
  • Verwendung eines Streamers: Bei neueren Systemen wie AudioLink XT oder ComPilot.
  • TV-Adapter: Hersteller bieten spezielle TV-Adapter als Schnittstellen zur FM-Anlage an.
  • Induktionsschleife: Nutzung der T-Spule von Hörgerät oder CI-Prozessor mit einer Ringschleife.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Phonak: Anpassanleitung Roger™ und Cochlea-Implantate; Phonak (Hrsg.), 2017-11, Seite 2; https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_and_ci.pdf, letzter Abruf: 2025-02-10
  2. Cochlear: Nucleus® Soundprozessoren vergleichen; https://www.cochlear.com/at/de/home/products-and-accessories/cochlear-nucleus-system/nucleus-sound-processors/compare-nucleus-sound-processors, letzter Abruf: 2025-01-20
  3. 3,0 3,1 Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Cochlear Implant - ICF: Cochlea Implantat, Abschnitt Ankopplungsmöglichkeiten; https://www.uniklinik-freiburg.de/icf/ci-versorgung/implantate/cochlea-implantat.html, letzter Abruf: 2025-02-10
  4. Phonak: Anpassanleitung Roger und Cochlear Soundprozessor Nucleus 5 und Nucleus 6; https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_cochlear_nucleus%205_6.pdf, letzter Abruf: 2025-02-10
  5. 5,0 5,1 5,2 Phonak: Anpassanleitung Roger und MED-EL Soundprozessor SONNET, RONDO und OPUS 2; https://www.phonakpro.com/content/dam/phonakpro/gc_hq/de/products_solutions/wireless_accessories/roger_receivers/documents/fitting_guide_roger_med-el_sonnet_rondo_opus2.pdf, letzter Abruf: 2025-02-10
  6. 6,0 6,1 6,2 MED-EL: AudioLink XT; https://www.medel.com/de/hearing-solutions/accessories/connectivity/audiolink-xt, letzter Abruf: 2025-02-10
  7. Advanced Bionics AG: Naída CI Q90 Soundprozessor – Gebrauchsanweisung; Advanced Bionics AG (Hrsg.), 2015; https://www.advancedbionics.com/content/dam/advancedbionics/Documents/Regional/US/libraries/naidaci/naida-ci-q90-user-guide.pdf, letzter Abruf: 2025-02-10
  8. Advanced Bionics AG: Produktkatalog NAÍDA CI M & SKY CI M (Seite 16); Advanced Bionics und Tochtergesellschaften (Hrsg.), 2024; https://www.advancedbionics.com/content/dam/advancedbionics/Documents/Regional/DE/Produkte-DE/Na%C3%ADda/NaidaCI-M/028-N091-01_RevJ_Marvel%20CI%20Produktkatalog_DE_A4_web.pdf, letzter Abruf: 2025-02-10