Hörtechnik für die Schule
Hörtechnik für die Schule umfasst technische Hilfsmittel, die Schülerinnen und Schüler mit Hörbehinderungen im Schulalltag unterstützt. Moderne technische Lösungen helfen, akustische Barrieren abzubauen und allen Schülern gleiche Chancen auf aktive Teilnahme und erfolgreiches Lernen zu bieten.
Schulalltag und Entwicklung der Hörtechnik
Lärm, schlechte Akustik und große Räume erschweren das Hören im Unterricht. Schülerinnen und Schüler mit Hörverlust haben oft Schwierigkeiten, den Unterricht konzentriert zu folgen.
In den 1960er-Jahren wurde die FM-Technologie erstmals gezielt für Hörhilfen entwickelt. Dabei wurde die Sprache des Sprechers (meist über ein Mikrofon) in Funksignale umgewandelt und per Frequenzmodulation an einen Empfänger gesendet, der an das Hörgerät angeschlossen war.
In den 1980er- und 1990er-Jahren führte der technologische Fortschritt zu immer kleineren und leistungsfähigeren FM-Anlagen. Die Empfänger wurden kleiner und konnten einfacher an Hörgeräte oder Cochlea-Implantate angeschlossen werden.
In den frühen 2000er-Jahren wurden analoge FM-Systeme zunehmend durch digitale Systeme ersetzt. Diese verbesserten die Übertragungsqualität erheblich, indem sie Störungen und Verzerrungen reduzierten und eine stabilere Verbindung ermöglichten.
FM Technologie
Das FM-System ist ein älterer Industriestandard zur Funkübertragung an Hörgeräte, der vor allem im schulischen Umfeld zur Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses (SNR) verwendet wird. Es zeichnet sich durch eine gute Klangqualität und eine Reichweite von 15 bis 30 Metern aus. FM-Systeme können auf verschiedenen Kanälen arbeiten, um Interferenzen zu vermeiden, sind aber dennoch anfällig für Störungen durch elektrische Geräte oder benachbarte Frequenzen. Der FM-Empfänger kann entweder universell für viele Hörgeräte oder proprietär für bestimmte Modelle sein. Nachteile des Systems sind die hohen Kosten, mögliche Störanfälligkeit und die Notwendigkeit zusätzlicher Hardware, die das Hörgerät größer macht.[1]
Roger Technologie
Die Einführung der Roger-Technologie erfolgte in den 2010er-Jahren durch Phonak. Roger nutzt digitale Funkübertragung und ist eine Weiterentwicklung der klassischen FM-Technologie. Es bietet eine noch klarere Sprachübertragung, weniger Störungen und eine einfachere Verbindung zu modernen Hörgeräten und Cochlea-Implantaten.
Arten von Hörtechnik
- FM- und Roger-Systeme: Übertragen die Stimme der Lehrkraft direkt an Hörgeräte.
- Induktionsschleifen: Ermöglichen eine drahtlose Verbindung zu Hörgeräten.
- Soundfield-Systeme: Verteilen den Klang gleichmäßig im Klassenzimmer.
- Hörgeräte und Cochlea-Implantate: Persönliche Geräte, die individuell angepasst werden.
Roger für die Schule
Die Roger-Hörtechnik von Phonak ist ein drahtloses Übertragungssystem. Es ist die bisher einzige Technologie, die sich mit unterschiedlichen Komponenten auf Situationen im Klassenzimmer anpassen lässt.
Funktionsweise
Das Roger-System besteht aus einem Mikrofon und einem Empfänger. Die Lehrkraft trägt das Mikrofon, das ihre Stimme aufnimmt. Diese Sprachsignale werden dann per Funk an die Empfänger der Schülerinnen übertragen, die entweder an Hörgeräte, Cochlea-Implantate oder spezielle Roger-Empfänger angeschlossen sind. So wird die Stimme der Lehrkraft klar und deutlich direkt ins Hörgerät übertragen, unabhängig von Lärm oder der Entfernung im Raum.[2]
Technische Voraussetzungen
Das Roger System von Phonak besteht aus verschiedenen Geräten, die je nach Bedarf und Anwendung kombiniert werden können. Die wichtigsten Komponenten lassen sich unterteilen in Mikrofone und Empfänger.[3]
Roger-Mikrofone


- Roger Touchscreen Mic: Ein tragbares Mikrofon für Lehrkräfte, das automatisch die Stimme erkennt und überträgt. Es kann auch für Gruppendiskussionen verwendet werden.
- Roger Select: Ein Mikrofon für vielfältige Gesprächssituationen, das gezielt Stimmen aus bestimmten Richtungen aufnimmt, ideal für Gruppengespräche.
- Roger Table Mic II: Ein Tischmikrofon für Besprechungen oder Unterricht in Gruppen. Es fokussiert sich auf den Sprecher und wechselt automatisch zu anderen Sprechern.
- Roger On: Ein Mikrofon für unterwegs und laute Umgebungen, das sich auf Stimmen konzentriert und flexibel an verschiedene Situationen angepasst werden kann.
Roger-Empfänger
- Roger X: Ein universeller Mini-Empfänger, der an Hörgeräte oder Cochlea-Implantate angeschlossen wird.
- Roger MyLink: Ein induktiver Empfänger, der mit Halsbandschleifen arbeitet und mit jedem Hörgerät verwendet werden kann, das eine T-Spule besitzt.
- Roger NeckLoop: Ein universelles, induktives Empfängerhalsband, das mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten kompatibel ist.
- Roger Soundfield/Roger DigiMaster Lautsprecher: Diese Lautsprecher verteilen die Stimme der Lehrkraft gleichmäßig im Raum, sodass alle Schülerinnen und Schüler profitieren, unabhängig davon, wo sie sitzen.[4]
-
NeckLoop von Phonak
-
DigiMaster Lautsprecher von Phonak
Weblinks
- Übersicht mit relevanten Informationen rund um die Roger Technik für die Schule
- Child Hearing Assessment Toolkit - Wissenswerte Zusammenstellung zum Thema Unterricht mit hörbehinderten Kindern
- Übersicht detailierte Anleitungen zur Errichtung und Anwendung des Roger Systems in der Schule
Einzelnachweise
- ↑ Gerald R. Popelka, Brian C. J. Moore, Richard R. Fay, Arthur N. Popper: Wireless Transmission Systems in Hearing Aids. In: Wireless Technologies and Hearing Aid Connectivity. Springer, 2016, ISBN 978-3-319-33034-1.
- ↑ https://www.phonak.com/de-de/hoerloesungen/mikrofone/roger-for-education
- ↑ https://www.phonak.com/de-de/hoerloesungen/mikrofone
- ↑ https://www.phonakpro.com/at/de/loesungen/kundenprofile/Kinder/klassenzimmer-hoeren.html