Bimodale Versorgung Cochlear

Aus Hör-Wiki

Cochlear bietet eine bimodale Versorgung für eine enge Zusammenarbeit zwischen Cochlea-Implantat (CI) und Hörgerät an. Diese Lösung wird als smarte bimodale Hörlösung bzw. Smart Hearing Alliance bezeichnet. Dabei werden Technik und Software von Cochlear und GN Resound miteinander kombiniert [1].

Funktionalität

Das bimodale System von Cochlear kennzeichnet sich durch folgende Funktionen:

  • Beidseitiges Streaming: Musik, Telefonate und andere Audiosignale werden auf beide Geräte übertragen.
  • Eine App: CI und Hörgerät können mit nur einer App bedient werden (siehe Bedienung und Einstellmöglichkeiten)
  • Verschiedene Hörgeräte stehen zur Auswahl
  • Auracast: Manche Hörgeräte sind Auracast-fähig, manche Soundprozessoren sind dafür vorbereitet

Kompatibilität

Für eine smarte bimodale Hörlösung mit Cochlear benötigt man:

  • Einen Soundprozessor Cochlear™ Nucleus® 7, Nucleus® 8 oder Nucleus® 8 Nexa bzw. Kanso 2, Kanos 3 oder Kanos 3 Nexa
  • Ein kompatibles ReSound Hörgerät
  • Ein kompatibles Apple- oder Android™-Gerät

Konkrete Hinweise zur Kompatibilität von Soundprozessor, Hörgerät und Smartphone für eine bimodale Versorgung findet man auf der Webseite von Cochlear. Für weitere Fragen zur Kompatibilität kann man sich an den Hörakustiker oder an das Cochlear-Kundencenter wenden.

Andere nicht kompatible Hörgeräte können zwar verwendet werden, aber dann muss man die getrennten Systeme mit dem jeweiligen Zubehör bedienen und hat nicht den Vorteil der gleichzeitigen Ansteuerung beider Hörsysteme mit einem Zubehör bzw. einer App.

Funktionen Soundprozessor

Das Gespräch von Telefonaten, Musik, Video- und Fernsehton kann über kompatible Apple- und Android™-Geräte (siehe Webseite von Cochlear) oder Cochlear True-Wireless-Geräte™ sowie Auracast, sobald es verfügbar wird, direkt auf den Soundprozessor übertragen werden.

Es gibt keine Verbindung zwischen Soundprozessor und Hörgerät.

Leistung Hörgerät / Zielgruppe

GN Resound bietet verschiedene Hörgeräte für leichte bis hochgradige Hörverluste in unterschiedlichen Leistungsklassen, Funktionen und Farben an. Sie sind mit Akku ausgestattet und made for Auracast. Es gibt eine Auswahl an Modellen als Hinter-dem-Ohr-Gerät oder als Im-Ohr-Gerät.

Welches Hörgerät geeignet ist, hängt vom Resthörvermögen und den persönlichen Anforderungen ab. Dein Hörgeräteakustiker kann geeignete Modelle zu deinem Hörverlust auswählen, sowie zu den Preisen und der Höhe des Eigenanteils Auskunft geben.

Technische Besonderheiten

  • Musik, Telefonate oder der Fernsehton können auf beide Hörsysteme gestreamt werden
  • Kompatibles Zubehör: Sowohl von Cochlear als auch von GN Resound wird ein MiniMic und TV Streamer angeboten. Dieses Zubehör ist kompatibel und kann somit sowohl für die Soundprozessoren als auch für die Hörgeräte genutzt werden. Dadurch muss weniger Technik mitgeführt werden als bei zwei getrennten Systemen.
  • Die ReSound-Hörgeräte besitzen eine integrierte Headset-Funktion. Dadurch kann beim Telefonieren das Mikrofon des Hörgeräts genutzt werden. Der Cochlear-Soundprozessor besitzt diese Funktion nicht.

Synchronisation

Damit Soundprozessor und Hörgerät gemeinsam genutzt werden können, müssen sie in der Anpasssoftware miteinander gekoppelt werden. Dies geschieht durch die Klinik oder den Hörakustiker.

Nach der Kopplung erkennt das Smartphone beide Hörsysteme gemeinsam. Bei Apple-Geräten erscheinen gekoppelte bimodale Hörsysteme meist gemeinsam in einer Zeile. Bei Android-Geräten mit ASHA-Protokoll werden sie oft untereinander angezeigt. Wenn diese nicht gekoppelt sind, dann tauchen diese beiden Geräte separat in der Liste aller Bluetooth-Geräte auf, und es kann in der Regel nur ein Bluetooth-Gerät ausgewählt werden.

Die Geräte arbeiten jedoch weiterhin unabhängig voneinander. Es gibt kein Master-Slave-System und keinen direkten Datenaustausch zwischen Hörgerät und Soundprozessor. Beide Geräte bleiben eigenständige Hörsysteme.

Direct Streaming

  • Zum Direct Streaming wird Bluetooth® verwendet
  • Die Audioübertragung erfolgt direkt auf beide Hörsysteme
  • Bei Android Smartphones mit Dual Audio Function können beide Hörsysteme gleichzeitig gekoppelt werden
Mono/Stereo

Der Cochlear Wireless Minimikrofon 2+ kann Audiosignale gleichzeitig auf Hörgerät und Soundprozessor übertragen. Die Übertragung erfolgt dabei in Mono.

Mit dem TV Streamer ist wahlweise Mono- oder Stereoübertragung möglich.

Beim Streamen mit dem Smartphone mit zwei Hörhilfen kann man Mono- und Stereoübertraung auswählen.

Aktueller Stand Auracast

Der Nucleus 8, Nucleus 8 Nexa, Nucleus Kanso 3 und Nucleus Kanso 3 Nexa sind bereits auf Auracast (Bluetooth LE Audio der nächsten Generation) vorbereitet. Die Funktion ist derzeit jedoch noch nicht aktiviert. Dafür ist ein zukünftiges Softwareupdate erforderlich.

Ältere Soundprozessoren haben dieses Bluetooth®-Protokoll noch nicht integriert.

Einige aktuelle GN ReSound Hörgeräte unterstützen Auracast bereits. Entweder kann dein Hörgeräteakustiker hierzu Auskunft geben oder du kannst dich auf der Webseite von GN Resound informieren.

Laufzeitunterscheide / Latenz

Die Klinik/der Akustiker kann den Zeitversatz zwischen Soundprozessor und Hörgerät innerhalb eines begrenzten Rahmens technisch anpassen. Dadurch soll ein störender Zeitversatz beim Hören mit zwei unterschiedlichen Hörsystemen möglichst gering bleiben und das Sprachverstehen und Richtungshören optimiert werden.

Bedienung und Einstellmöglichkeiten

Die Einstellung, Steuerung und Überwachung sowohl des Soundprozessors als auch des Hörgeräts können über verschiedene Wege erfolgen:

Nimmt man eine Lautstärkeneinstellung mit der Fernbedienung oder einem Zubehör vor, dann ändert sich die Lautstärke gleichzeitig an beiden Hörsystemen.

Über die Nucleus Smart-App werden beide Seiten angezeigt und es können folgende Einstellungen für jedes Gerät einzeln vorgenommen werden [2]:

  • Lautstärke
  • Programmwahl
  • Filterfunktionen für die Mikrofone

Programme müssen für jedes Hörsystem getrennt ausgewählt werden. Das Hörgerät startet normalerweise immer mit dem Standard-Programm. Der Soundprozessor startet meist mit dem zuletzt verwendeten Programm.

Die Programme auf Hörgerät und CI sind technisch unterschiedlich. Der Akustiker oder Audiologe sollte jedoch darauf achten, dass vergleichbare Programme auf denselben Programmplätzen liegen.

Anpassung

Wichtig bei der Anpassung sind:

  • gleiche Programmbelegung,
  • Lautheitsausgleich / Lautheitsskalierung,
  • gutes Balancing zwischen beiden Seiten,
  • und eine möglichst natürliche Wahrnehmung beim Richtungshören

Die Latenz des Soundprozessors kann nicht eingestellt werden.

Einzelnachweise

  1. Cochlear: Cochlear(R) Nucleus Smart App, letzter Abruf: 2026-05-11