Wie Hören funktioniert

Aus Hör-Wiki

Das Hören ist einer der zentralsten Sinne des Menschen, der es uns ermöglicht, mit unserer Umwelt zu kommunizieren, Gefahren wahrzunehmen und Emotionen in Sprache oder Musik zu erleben. Es ist ein hochkomplexer Prozess, bei dem Schallwellen in elektrische Signale umgewandelt und vom Gehirn interpretiert werden. Ein Grundverständnis für das menschliche Hören ist besonders wichtig, um die zahlreichen Ursachen für Hörverlust und die entsprechenden modernen Hörlösungen besser zu verstehen.

Anatomie des Gehörs

Zu sehen ist die Anatomie des menschlichen Gehörs von außen bis innen. Angefangen mit der Ohrmuschel außen, über den Gehörgang bis zur Cochlea. Alle Teile sind beschriftet.

Das menschliche Gehör ist ein komplexes System, das aus drei Hauptbereichen besteht: dem äußeren Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Das äußere Ohr umfasst die Ohrmuschel und den Gehörgang, die gemeinsam Schallwellen einfangen und zum Trommelfell leiten. Das Mittelohr besteht aus der Gehörknochenkette – Hammer, Amboss und Steigbügel – die die Schwingungen des Trommelfells verstärken und an das Innenohr weitergeben.

Im Innenohr befindet sich die mit Flüssigkeit gefüllte Cochlea, die die Schwingungen in elektrische Signale umwandelt. Die Cochlea enthält Haarzellen, die auf unterschiedliche Frequenzen empfindlich reagieren und über den Hörnerv mit dem Gehirn verbunden sind, wo die Signale interpretiert werden.

Wie Schallwellen zu hörbaren Signalen werden

Schallwellen sind mechanische Druckschwankungen in der Luft. Sie treffen zunächst auf die Ohrmuschel und werden durch den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Das Trommelfell beginnt zu schwingen und überträgt die Bewegungen auf die Gehörknochen im Mittelohr. Diese Knochen verstärken die Schwingungen und leiten sie an die Cochlea weiter.

Im Innenohr erzeugen die Schwingungen der Cochlea-Flüssigkeit eine Bewegung der dortigen Haarzellen. Je nach Frequenz des Schalls werden unterschiedliche Haarzellen aktiviert. Die Haarzellen wandeln die mechanischen Reize in elektrische Signale um, die vom Hörnerv über die Nervenbahnen zum auditorischen Cortex im Gehirn gelangen. Dort werden sie als Töne, Sprache oder Geräusche wahrgenommen.[1]

Die gesamte Hörkette besteht somit aus:

  • Außenohr
  • Mittelohr
  • Innenohr
  • Nervenbahnen

Was passiert bei Hörverlust?

Hörverlust kann verschiedene Ursachen haben und in allen Teilen der Hörkette auftreten. Bei einem Schallleitungshörverlust ist die Übertragung von Schallwellen vom äußeren Ohr zum Innenohr gestört, oft durch Verstopfungen, Infektionen oder Probleme mit den Gehörknochen. Bei einer Beschädigung im Innenohr spricht man von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit oder auch von sensorineuralem Hörverlust[2] . Diese Art Schwerhörigkeit entsteht durch Schäden an den Haarzellen oder dem Hörnerv, häufig verursacht durch Alterung, Lärmschäden oder genetische Faktoren. In manchen Fällen tritt ein kombinierter Hörverlust auf, der sowohl in der verminderten Schallleitung als auch Schallempfindung begründet ist.

Die Entscheidung für ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat hängt von der Art und dem Ausmaß des Hörverlusts ab. Hörgeräte sind bei leichter bis mittlerer Beeinträchtigung geeignet und verstärken den Schall, sodass das Innenohr die Signale besser verarbeiten kann. Cochlea-Implantate werden bei schwerem bis hochgradigem sensorineuralem Hörverlust eingesetzt[3], wenn die Haarzellen so stark geschädigt sind, dass Hörgeräte nicht mehr ausreichen. Diese Implantate stimulieren den Hörnerv direkt und übernehmen die Funktion der Haarzellen.

Wie Hörlösungen wirken

Hörlösungen wie Hörgeräte und Cochlea-Implantate helfen, die Auswirkungen von Hörverlust zu mildern.

  • Hörgerät: Verstärkt Schallwellen und verbessert so die Übertragung zum Innenohr. Hörgeräte sind besonders effektiv bei leichtem bis mittlerem Hörverlust. Das setzt voraus, dass Mittel- und Innenohr noch funktionsfähig sind, wenn auch nur eingeschränkt.
  • Cochlea-Implantat: Umgeht das Außen- und Mittelohr sowie die geschädigten Haarzellen im Innenohr. Es wandelt den Schall in elektrische Signale um, die direkt an den Hörnerv weitergeleitet werden. Diese Technologie ist für Menschen mit schwerem bis hochgradigem Hörverlust geeignet, sofern der Hörnerv funktionsfähig ist.[3]
  • Mittelohrimplantat: Wandelt die Schallsignale in mechanische Schwingungen um, die direkt zum funktionsfähigen Innenohr übertragen werden. Quasi so als wäre der Lautsprecher eines Hörgerätes direkt an der Cochlea befestigt. Somit werden Außen- und Mittelohr umgangen.
  • Knochenleitungsimplantat: Wandelt die Schallsignale ebenfalls in mechanische Schwingungen um, diese werden jedoch direkt auf den Schädelknochen geleitet und dadurch auch zum Innenohr übertragen. Auch hierdurch werden Außen- und Mittelohr umgangen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MED-EL: Wie das Ohr funktioniert; https://blog.medel.com/de/technologie/wie-das-ohr-funktioniert/, letzter Abruf: 2025-04-22
  2. Signia: Sensorineuraler Hörverlust; https://www.signia.net/de-de/blog/global/hoergesundheit-sensorineuraler-hoerverlust/, letzter Abruf: 2025-04-23
  3. 3,0 3,1 hearbetter: Wann das CI eingesetzt wird; https://hearbetter.medel.com/cochlea-implantat/, letzter Abruf: 2025-04-23