Inklusive Akustik

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Inklusive Akustik (auch akustische Ergonomie genannt) ermöglicht klares und angenehmes Hören durch gute Hörsamkeit und Sprachverständlichkeit in geschlossenen Räumen. Inklusive Akustik beschränkt sich nicht auf den Bereich Behinderung/Beeinträchtigung, sondern bezieht sich auf den Menschen in seiner grundsätzlichen Vielfalt.

Begriffsdefinitionen

Inklusive Akustik

Inklusive Akustik bedeutet, dass es für möglichst alle Menschen in verschiedenen Hörsituationen ein Hörumfeld gibt, in dem akustische Informationen optimal zu verstehen sind. Die Voraussetzungen dafür sind bauliche und technische Rahmenbedingungen für gute Hörsamkeit.

Hörsamkeit

Unter Hörsamkeit versteht man die akustische Eignung eines Raumes für bestimmte Darbietungen, insbesondere für sprachliche Kommunikation und musikalische Inhalte.[1] [2]

Das Ziel der Hörsamkeit ist ein klares und angenehmes Hören für alle Menschen in ihrer grundsätzlichen Vielfalt und zwar ohne diese auf den Bereich Behinderung/Beeinträchtigung zu beschränken. Das Thema schließt beispielsweise auch Menschen mit medizinischer Altersschwerhörigkeit ebenso wie nichtmuttersprachliche Personen mit Verständlichkeitsschwierigkeiten ein.[3]

Nutzende Inklusiver Akustik

Von Inklusiver Akustik profitieren grundsätzlich alle Menschen.

  • Individuen: Alle Menschen
    • Jung, alt,
    • Gesund, krank[3], z.B. durch längere Konzentrationsfähigkeit
  • Gemeinschaft in Summe: Gesamte Gesellschaft
    • Ökonomische Gesellschaft
    • Weniger lärmstressbedingte Krankenstände in Betrieben führen zu höherere Produktivität. Weniger dadurch bedingte vorgezogene Ruhestände bedeuten eine monetäre Ersparnis für die Gesellschaft
    • Bessere Hörsamkeit in Schulräumen und Schulklassen führen zu besserer Ausbildungsqualität, was ebenfalls der Gesellschaft zugute kommt
  • Spezifische Gruppen
    • Berufsgenossenschaft (Vermeidung der Berufskrankheiten wie z.B. Lärmschwerhörigkeit [4])
    • Zusätzlich profitieren folgende Menschengruppen besonders, wie z.B.:
      • Menschen mit Hörbehinderungen (ohne und mit Hörsystemen wie z.B. Hörgeräte, Cochlea-Implantate)
      • Nicht-Muttersprechende
      • Menschen mit Aufmerksamkeitsdefiziten
      • Menschen mit Spracherwerbsstörungen
      • Menschen in Berufen in lauten Umgebungsgeräuschen und dadurch mit einer erhöhten Gefahr für Lärmschwerhörigkeit, wie z.B. Erziehende, Arbeitende in Maschinenhallen, Musizierende etc.
      • Tinnitus-Betroffene

Vorteile von Räumen mit Inklusiver Akustik

  • Bessere Sprachverständlichkeit / inhaltliche Auffassung einer Information
  • Längere Konzentrationsfähigkeit durch geringere Höranstrengung, verlängerte Aufmerksamkeitsspanne, Vermeidung des Lombard-Effekts
  • Gesteigerte Leistungseffekte, reduzierte Fehlerquote, reduzierter Krankenstand
  • Gesundheitsfördernd durch einen geringeren Stresspegel durch angenehme ruhige Umgebung und verringerte Neben-/Störgeräusche (Wohlfühleffekt)[5][6][7]

Umsetzung

Akustische Maßnahmen in Gebäude-Neubauten oder Gebäude-Sanierung

Beispiel einer akustisch inklusiven Raumgestaltung im Spielflur eines Kindergartens (abgehängte Deckenabsorber, Wandabsorber über den Türen)
  • Bauakustische Maßnahmen (Primärstruktur): Schallübertragung zwischen benachbarten Räumen, Anordnung des Raums im Gebäude, Lärm haustechnischer Anlagen z.B. Klimaanlage [8], [2], [9]
  • Raumakustische Maßnahmen (Sekundärstruktur): Dimensionierung und räumliche Verteilung schallabsorbierender und schallreflektierender Flächen, wie z.B. Akustikdecke, Absorbierende Wandbilder [8]
  • Normative Planungsgrundlage für Maßnahmen der Sekundärstruktur: DIN 18041-2016 [2] (Anwendungsgebiet: Diese Norm gilt für Räume mit einem Raumvolumen bis etwa 5000 m³, für Sport- und Schwimmhallen bis 30000 m³)

Technisch akustische Maßnahmen

Kommunikation (digitale Medien/ analoge Kommunikation)

  • Untertitel (z.B. Videokonferenzen, Speech-to-text-Apps etc.)
  • Vorlesen lassen (z.B. GRETA-App)
  • Deutliches Lippenabsehen ermöglichen
  • Bildliche Visualisierung
  • Transkription
  • Langsam und deutlich (nicht extrem laut) Sprechen

Gremien/Anlaufstellen, die sich mit Inklusiver Akustik beschäftigen

Einzelnachweise

  1. Heinze GmbH: Glossar:Baunetz_Wissen_Akustik; https://www.baunetzwissen.de/glossar/h/hoersamkeit-44997, letzter Abruf: 2024-02-09
  2. 2,0 2,1 2,2 Deutsches Institut für Normung: DIN 18041:2016-03, Hörsamkeit in Räumen
  3. 3,0 3,1 Androsch,P. & Kren,R.: Endbericht.Grundlagen einer Inklusiven Akustik; In hörstadt - Labor für Akustik, Raum und Gesellschaft (Hrsg.), 2018; https://hoerstadt.at/wp-content/uploads/2019/04/Grundlagen-einer-Inklusiven-Akustik.-Endbericht-Mai-2018-AUTORISIERT.pdf, letzter Abruf: 2024-01-30
  4. Schelle,F., Liedtke,M.: Lärmwirkungen und ihre Beurteilung am Arbeitsplatz; Akustik Journal (Hrsg.), 2024; https://www.dega-akustik.de/fileadmin/dega-akustik.de/publikationen/akustik-journal/24-01/akustik_journal_2024_01_online.pdf, letzter Abruf: 2024-02-15
  5. Leistner,P., Drotleff,H., Leistner,M.,: Akustik in Lebensräumen für Erziehung und Bildung; Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP (Hrsg.), 2021; https://www.ibp.fraunhofer.de/content/dam/ibp/ibp-neu/de/dokumente/broschueren/ak/akustik-in-lebensraeumen.pdf, letzter Abruf: 2024-01-30
  6. Ruhe, C.: refeRATgeber 3,Büroräume für hörgeschädigte Mitarbeiter Hinweise zur Ausstattung; Deutscher Schwerhörigenbund e.V (Hrsg.), 2018; https://www.schwerhoerigen-netz.de/fileadmin/user_upload/dsb/Dokumente/Information/Service/Ratgeber/refeRATgeber3_Bueroraeume.pdf, letzter Abruf: 2024-01-30
  7. Oberdörster, M. & Tiesler, G.: Akustische Ergonomie der Schule: Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin; https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Schriftenreihe/Forschungsberichte/2006/Fb1071.html, letzter Abruf: 2024-01-30
  8. 8,0 8,1 Gigla,B.: Bauakustik und Raumakustik: Bauakustik und Raumakustik: Einführung, Erläuterung der Bergiffe und Regelwerke; https://www.baunetzwissen.de/bauphysik/fachwissen/schallschutz/bauakustik-und-raumakustik-einfuehrung-6432836, letzter Abruf: 2024-02-09
  9. Deutsches Institut für Normung: DIN EN 12354-6, Schallabsorption in Räumen
  10. Scheffe,M.: RefeRatgeber 1,IndukTive Höranlagen, Aufbau und Funktion; Deutscher Schwerhörigenbund e.V. (Hrsg.), 2017; https://www.schwerhoerigen-netz.de/fileadmin/user_upload/dsb/Dokumente/Information/Service/Ratgeber/refeRATgeber1_Induktive_Hoeranlagen.pdf, letzter Abruf: 2024-02-09