Telefonieren

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Version vom 7. März 2025, 13:48 Uhr von SabineS (Diskussion | Beiträge) (Artikel überarbeitet (zusammen mit Andrea))

Telefonieren ist für Menschen mit Hörbehinderung eine besondere Herausforderung, da kein Mundbild zur Hilfestellung verfügbar ist. Natürlich kann man den normalen Telefonhörer an den Sprachprozessor halten oder ein Headset verwenden, dessen Ohrmuscheln groß genug sind, um den Sprachprozessor zu umschließen. Darüber hinaus gibt es von den CI-Herstellern verschiedene Hilfsmittel zur direkten Übertragung des Tons an den Sprachprozessor, was das Telefonieren erleichtern kann.

Allgemeines

Das Telefonieren mit Cochlea-Implantaten erfordert je nach Hersteller spezifische Zubehörteile oder Programme. Hersteller wie Cochlear, Advanced Bionics (AB) und MED-EL bieten unterschiedliche Lösungen an, um die Kommunikation über Telefon zu erleichtern. Diese können spezielle Telefonschleifen, Bluetooth-Verbindungen oder andere Technologien umfassen, die die Übertragung von Audiosignalen an das Implantat ermöglichen.

Telefonieren über T-Spule

Einige Festnetztelefone haben die Funktion, mittels T-Spule und Induktion zu telefonieren. Induktive Höranlagen waren vor Einführung von Mobiltelefonen weit verbreitet. Zum Telefonieren über die T-Spule muss das T-Spulenprogramm im Sprachprozessor bzw. im Zubehör (z.B. AudioLink XT) aktiviert werden.

Telefonieren über Bluetooth

Moderne Telefone sind auch mit Bluetooth® (BT)-Technologie ausgestattet (z. B. einige GigaSet Telefone) und ermöglichen eine binaurale (beidseitige) Übertragung. Über die Bluetooth-Verbindung können die Sprachprozessoren direkt mit diesen Telefonen verbunden werden.

Tipp: Für häufige Festnetztelefonate ist es ratsam, ein Telefon mit Bluetooth-Funktionalität zu verwenden, um die Klangqualität und Sprachverstehen durch binaurale Übertragung zu verbessern.

Direktes Streaming

Direktes Streaming funktioniert mit Android- und Apple-Smartphones und mit neueren Sprachprozessoren der unterschiedlichen Hersteller (siehe Herstellerübersicht weiter unten). Dazu benötigt man auch ein kompatibles Mobiltelefon (siehe Weblinks). Die Verbindung erfolgt dann über ein spezielles Protokoll (MadeForiPhone bzw. ASHA für Android). Bei bilateraler Versorgung ist hier auch eine Verbindung zu beiden Sprachprozessoren möglich. Als Mikrofon muss hier das Mikrofon des Mobiltelefons benutzt werden.

Telefonieren über Roger-Geräte

Auch Telefonieren mit einem Roger-System ist möglich. Je nach vewendetem Roger-Sender (z.B. Roger On, Roger Select) muss dieser per Kabel oder Bluetooth-Verbindung mit dem Telefon verbunden wurden.

Übersicht nach Hersteller

In der nachfolgenden Tabelle sind mögliche technische Lösungen zum Telefonieren mit zwei Hörsystemen (beidseitige Versorgung) dargestellt.

Lösung mit Technische Voraussetzungen Abbildung

Advanced Bionics

Bluetooth®-fähiges Telefon:

Anmerkung: Bei bimodaler Versorgung mit nicht kompatibler Kombination aus Hörgerät/Sprachprozessor (keine Konnektivität) kann ein Smartphone mit der Funktion Dual Audio verwendet werden (aktuell nur Android Geräte, s. Weblinks)

Telefon mit T-Spule:
Alle Sprachprozessoren von Advanced Bionics verfügen über eine integrierte T-Spule (Stand 2025)

Cochlear

Bluetooth®-fähiges Telefon:
Smartphone und Single-Unit und HdO-Prozessor verbunden mit gestrichelter Linie zur Veranschaulichung eines speziellen Bluetooth-Protokolls
  • Nucleus ab 6, Kanso/Kanso 2: über Phoneclip. PhoneClip wird per Bluetooth mit dem Telefon gekoppelt
Festnetztelefon mit Bluetooth-Verbindung zu PhoneClip und proprietärer Verbindung zu Single-Unit und HdO-Prozessoren
Telefon ohne Bluetooth bzw. ohne ASHA-/MFI-Protokoll:
  • Nucleus ab 6, Kanso/Kanso 2: Minimik 2+
    • Festnetztelefon: Audiokabel (2,5 mm oder 3,5 mm Klinkenstecker, je nach Anschluss am Telefon).
    • Mobiltelefon: Entsprechendes Audiokabel (Android z.B. USB-C, i-Phone: z.B. Lightning) mit einem Adapter auf 3,5 mm Audio-Klinkenstecker

Anmerkung: Wird das Minimik 2+ zum Telefonieren verwendet, so hat es keine Mikrofonfunktion, so dass das Mikrofon des jeweiligen Telefons (Mobil- oder Festnetztelefon) zu nutzen ist.

Telefon-Mobilteil mit Kabelverbindung zum Minimik 2+ und proprietärer Verbindung zu Single-Unit und HdO-Prozessoren
Telefon mit T-Spule:
  • Sprachprozessoren außer Kanso 2: über integrierte T-Spule
  • Kanso 2: über Minimik 2+

MED-EL

Bluetooth®-fähiges Telefon:
auf der linken Seite ist das Mobiltelefon sichtbar. Auf der rechten Seite sind die beiden Prozessoren Rondo 3 und SONNET. Zwischen den beiden ist einen unterbrochene Linie gezeichnet, welche die Verbindung Bluetooth Low Energy angibt
Telefon ohne Bluetooth bzw. ohne ASHA-/MFI-Protokoll:
  • AudioLink/AudioLink XT:
    • SONNET 3: AudioLink XT
    • SONNET 1/2/RONDO 3: AudioLink

Anmerkung:

Der AudioLink muss einmalig mit dem Bluetooth-fähigen Telefon gekoppelt werden[1]. Um Anrufe empfangen zu können, muss der AudioLink immer per Bluetooth mit dem Telefon verbunden sein. Dazu muss Bluetooth bei beiden Geräten aktiviert sein.[2]

Wenn der AudioLink beim Telefonieren über Bluetooth eingesetzt wird, gilt dieser auch als Mikrofon. Der AudioLink sollte dann per Halteclip oder Umhängeband auf Brusthöhe platziert werden.[2]

alternativtext: Links Festnetz-Mobilteil und Mobiltelefon mit gestrichelter Linie zum AudioLink als Verbindung per Bluetooth. Rechts RONDO 3 und SONNET 2 und 3 mit gestrichelter Verbindung zum AudioLink zur Veranschaulichung der proprietären Verbindung
Telefon mit T-Spule:
  • SONNET 3: über AudioLink XT
  • SONNET 1/2: Integrierte T-Spule
  • RONDO 3: T-Spulenadapter

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MED-EL: AudioLink - Mit Ihrem Bluetooth®-Gerät verbinden; https://www.medel.com/de/support/product-support/accessories/audiolink/audiolink_pairingwithbluetoothdevice, letzter Abruf: 2025-03-07
  2. 2,0 2,1 MED-EL: AudioLink - Telefonieren; https://www.medel.com/de/support/product-support/accessories/audiolink/audiolink_talkingonthephone, letzter Abruf: 2025-03-07